Der Weg zur Arbeit war heute «der lange» in den Naturpark Gantrisch von der Fribourger Seite her. Es war noch angenehm kühl an diesem Morgen, perfekte Bedingungen für einen Motorradausflug. Doch so sehr es nach Ausflug aussah – es war Arbeit: Ich war damals bei Scout24 Schweiz angestellt, aber die ganze Geschichte dazu liest du auf meiner Über-mich-Seite. Ich hatte ein bestimmtes Ziel: unser Team von AutoScout24 und MotoScout24 kurz vor der Stierenhütte am Gurnigel zu treffen, mit Verstärkung – Johannes Diboky – professioneller Fotograf.
Damit wurde der Tag zu etwas Besonderem: bestes Wetter, es sollte noch sehr heiss werden – und der Auftrag, für die beiden Marken neue Commercial-Bilder zu shooten.
Auf einem Bergpass für AutoScout24
Auf dem Gurnigel angekommen, wollten wir zuerst herausfinden, ob wir mit dem Leihwagen überhaupt arbeiten konnten. Denn ein Autohaus hatte uns einen wunderschönen, grossen Aufkleber an der Fahrzeugseite angebracht, genau dort, wo die Kamera noch einen Teil des Fahrzeugs mit aufnehmen sollte. Damit das Shooting zu machen – absolut unmöglich. Eine KI-gestützte Bildbearbeitung, mit der sich so etwas einfach hätte wegretuschieren lassen, gab es in der Form, wie man es heute (nur 10 Jahre später) als selbstverständlich kennt, noch nicht.
Zum Glück war das Fahrzeug einer Kollegin dem eigentlichen «Modell» sehr ähnlich, also zumindest war es die gleiche Marke, andere Farbe, anderer Typ – eigentlich ein ganz anderes Auto. Und ziemlich dreckig. Jetzt zeigte sich, warum ich Putzzeug dabeihatte: Vulcanet-Tücher, eigentlich fürs Motorrad gedacht, machten sich auch hier bezahlt.
Nach einer schnellen, gründlichen Reinigung an den nötigen Stellen des Fahrzeugs war es fürs Shooting bereit. Johannes fing an zu zaubern und relativ schnell hatten wir den einen oder anderen guten Shot im Kasten – wie ich es aus der Ferne mitbekam. Und wie es immer ist, wenn es einmal läuft: Die Zeit flog dahin. Dazu wurde der Verkehr immer dichter. Genau aus diesem Grund hatten wir so früh angefangen: wegen des fantastischen Lichts und weil dann doch nach kurzer Zeit etwas am Pass los war. Höchste Zeit, zusammenzupacken und weiterzuziehen. Nächster Stopp: Twann am Bielersee.
In den Weinbergen am See für MotoScout24
In Twann angekommen, gab es erst einmal Essen. Denn ohne gutes Essen geht auch der besten Crew die Motivation aus. Zum Glück hatten wir erstens reserviert und zweitens war das Essen im Bären Twann auch wirklich gut.
Nach unserer Mittagspause ging es dann in die Weinberge. Und es wurde heisser und heisser. Wir bereiteten mein Motorrad (das ich heute immer noch fahre) vor und versuchten, die ersten Shots direkt beim Fahren zu bekommen. Doch schon bald mussten wir die Hoffnung begraben, dass uns das die Arbeit vereinfachen würde. Der schlechte (Reb-)Weg und die harte Federung des Motorrads machten es unmöglich, ein stabiles Bild ohne Verwackler hinzubekommen. Neuer Plan: stehende Bilder und Nachbearbeitung. Gesagt, getan: Die ersten Shots kamen schnell und sahen gut aus (in der Hoffnung, dass sie auch für die Nachbearbeitung taugen würden). Inzwischen stand auch die Sonne wieder günstig und das Licht war atemberaubend schön.
Das Thermometer war auf 37 Grad geklettert und bei einer Aufnahme war ich kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Doch wir schafften es, alles Vorgesehene aufzunehmen – und noch ein wenig mehr. Und jetzt genug geschrieben: Überzeug dich selbst von den finalen Aufnahmen mit mir als Model ohne Gesicht.




Der Bonusshot, der nie veröffentlicht wurde
Nach den Shots sprachen wir noch über etwas und es kam eine Idee – wenn wir schon das ganze Material vor Ort hatten. Denn wenn kreative Leute wie Eric Price und andere zusammenkommen, dann passiert so etwas halt. Die Idee: ein Bild mit durchgehenden Lichtstreifen – ohne Nachbearbeitung – in echt. Wir machten schnell einen Plan, die Kamera wurde umpositioniert und ein Test-Shot gemacht und los ging’s.
Mittlerweile war es schon dunkler geworden und wir mussten uns beeilen, denn das Licht ging mit jeder Sekunde zur Neige. Es brauchte drei Anläufe. Der erste war ein Desaster, aber er half, meine Geschwindigkeit und die Belichtungszeit herauszufinden. Zudem war die Kurve nicht einfach zu nehmen: Ein Pfosten am Ende der Mauer (auf den Bildern nicht sichtbar) zwang mich, den Oberkörper mitten in der Kurve zu versetzen – und das bei möglichst stabilen 50 km/h. Im Idealfall. Zweiter Versuch: besser, aber noch nicht ganz erwischt. Und dann der letzte Versuch. Noch mehr ging fast nicht – es war schon spät und die Müdigkeit nagte an allen –, also musste dieser sitzen. Und er tat es. Doch leider wurde er nie fertig bearbeitet. Aber sieh es dir an.




Was bleibt und Danke
Was für ein Tag! Insgesamt ein unglaublich arbeitsintensives und schönes Erlebnis. Es war nicht die erste Höchstleistung für die Marken und es sollte auch nicht die letzte bleiben – aber sie war etwas ganz Besonderes. Denn die daraus entstandenen Bilder sollten für einige Jahre in Verwendung bleiben. Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein – und vor allem, dass ich von Johannes die freundliche Genehmigung bekam, diese Bilder hier zeigen zu dürfen. Merci Johannes und den tollen Leuten, mit denen ich an diesem Tag arbeiten durfte!
PS: Dieser Tag liegt gut zehn Jahre zurück und ist aus meiner Erinnerung erzählt – das eine oder andere Detail mag sich etwas anders zugetragen haben. Aber die Bilder lügen jedenfalls nicht.

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