Waldeck am Edersee
Was mich überrascht hat, ist, dass Waldeck am Edersee den Durchgangsverkehr komplett abgeschnitten hat. Man kann quasi gar nicht mehr zweispurig durch den Ort fahren – und das sind die ersten Zeichen, dass ein Ort aussterben wird. So habe ich es in meinem Leben bisher an anderen Orten gesehen und es hat mich bedrückt, es hier zu sehen. Mein Bild von einer pulsierenden Touristenhochburg war diesmal nicht vorhanden, es war still, sehr still und wenig los – für August.
Ausserdem bekam ich mit, dass viele Häuser im Zentrum leerstehen und zugleich sah ich, dass an den Rändern des Ortes neues Bauland erschlossen wird. Aber was ist ein Ort – ja sogar eine Stadt wie Waldeck – ohne ein Zentrum? Apropos Zentrum: Das wurde schön umgebaut. Wo früher der Verkehr durchrollte, gibt es jetzt einen Platz mit Pavillon und einem Brunnenfeld im Boden – der Umbau des Marktplatzes ist seit Frühjahr 2025 abgeschlossen. Dennoch ist für mich damit natürlich ein Teil meiner Kindheit verschwunden.
Der Aufenthalt im Ringhotel Roggenland war schön und zugleich fremd, weil mich doch meine Kindheit mit diesem Ort verbindet. Und jetzt so viel im Bau, umgebaut, teils leer oder ohne «Drive» zu sehen, tat mir weh. Das Einzige, was «Drive» hatte, schienen immer noch die Eisdiele und das griechische Restaurant Athen zu sein – wie früher, auch wenn sich dort einiges verändert hat. Auch einen Kebab-Imbiss, welcher auch gut besucht war, hat es jetzt, wo früher ein Bäcker war. Aber alles andere neben der Restauration schien still.
Der Besuch der Staumauer verdeutlichte die Lage: Auch hier war wenig Betrieb und viel im Bau. Dazu hatte der Edersee viel zu wenig Wasser, nur noch 18 Prozent des Gesamtvolumens, meinte meine Tante bei einem späteren Treffen.
Übrigens: Die Edertalsperre war 1943 eines der Ziele der britischen «Operation Chastise», bekannt als «Dambusters». In der Nacht auf den 17. Mai wurde die Staumauer durchbrochen, die Flutwelle zog durch das untere Edertal und forderte Dutzende Todesopfer. Noch im selben Jahr wurde die Mauer wieder aufgebaut.
Zudem war auf der Strandbadseite nichts offen, um etwas trinken gehen zu können. Vieles scheint einfach zu verkommen. So auch die Seilbahn, welche früher immer ein Highlight war. Man konnte einfach, bequem und ohne Auto zum See gelangen. All das geht jetzt nicht mehr.
Immerhin war es möglich, ein Tagesparkticket zu lösen, welches auf allen Parkplätzen rund um den Edersee und das Schloss Waldeck galt – und das zu einem fairen Preis von 6 Euro.
Insgesamt waren diese Tage also einschneidend für mich. Und es hat mir gezeigt, wie weit ich doch von meiner Heimat weggekommen bin.
Herkules in Kassel
Danach ging es mit einem Zwischenstopp am Herkules in Kassel weiter. Am Sonntagmorgen auf der Anfahrt standen schon Posten für das Parkticket, weit vor den eigentlichen Parkplätzen. Es war alles sehr gut organisiert und relativ wenig los, wie man auf den Bildern sieht. Das Essen im Restaurant Herkules Panorama vor Ort, in dem es auch ohne Probleme Platz gab, war gut und nicht überteuert.
Überhaupt war das Essen in den Restaurants auf dieser Reise umwerfend – aber schwer. Mir war nicht mehr bewusst, wie schwer die Küche in diesem Teil Deutschlands ist.
Die Wasserspiele zu sehen, war eigentlich nicht Teil des Programms. Daher hat es mich sehr überrascht, welche Massen zu den Wasserspielen auf den Parkplatz wollten, als bei mir die Weiterfahrt schon wieder anstand. Alles, was zuvor an Strasse befahrbar war, war jetzt ein riesengrosser Parkplatz – unglaublich. Und ich war ehrlich gestanden froh, dass ich mich nicht in diesen Massen tummeln musste. Nach der Stille in Waldeck ein ziemlicher Kontrast.
Eisenach und die Wartburg
Weiter ging es Richtung Osten, nach Eisenach, mit der Wartburg, thronend über der Stadt. Mich überraschte hier, dass es sich so vertraut anfühlte – obwohl es mir während meiner Kindheit verschlossen geblieben war, überhaupt hierherzukommen. Wegen der Grenze.
Übernachtet habe ich im Hotel Kaiserhof, direkt am Nikolaitor. Die Stadt selbst war schön anzusehen, es hatte allerlei zu bestaunen. Viel Geschichte. Auch der Besuch auf der Wartburg selbst war es wert, nach der Fahrt mit dem örtlichen Bus den letzten Teil des steilen Wegs auf sich zu nehmen.
Grenzlehrpfad in Wildeck-Obersuhl
Auf der Rückreise war es durch einen kurzen Umweg möglich, die ehemalige innerdeutsche Grenze zwischen Hessen und Thüringen zu besuchen und einen Grenzlehrpfad in Wildeck-Obersuhl zu beschreiten. Mit einem echten Stück Grenzzaun – beängstigend. Und doch ist es auch Teil der Geschichte meiner Heimat.
Eine Mauer wie in Berlin gab es dort übrigens nicht. Die innerdeutsche Grenze bestand auf fast ihrer ganzen Länge aus einem Metallgitterzaun, Betonmauern standen nur bei einzelnen Orten direkt an der Grenze.
Fazit
Waldeck, mit dem mich meine Kindheit verbindet, hat sich bei diesem Besuch in der Heimat fremd angefühlt. Eisenach, das mir als Kind verschlossen geblieben war, dagegen erstaunlich vertraut. Und dazwischen ein echtes Stück Grenzzaun, das daran erinnert, warum Eisenach für mich so lange unerreichbar war.
Für mich hat diese Reise einen Abschnitt Zeitgeschichte gezeigt, der zu Ende zu gehen scheint – und einen neuen, der beginnt.
Galerie
Hier kannst du ein paar Eindrücke meiner Reise sehen.


















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